Zwischen zwei Sommern

ich fühle mich gelegentlich etwas unverstanden

Wenn ich sage, ich hasse die Menschen, dann klingt das viel schlimmer, als es gemeint ist, und dann klingt das verletzend. Fakt ist, ich stufe nicht gern ab und ich verwende nur Liebe und Hass und nichts dazwischen. Ich liebe dich, wenn du mir etwas bedeutest, ich hasse dich, wenn du mir nichts bedeutest. Wenn ich sage, ich hasse die Menschen, dann meine ich: sie bedeuten mir nichts.

Die Menschen bedeuten mir nichts und dennoch schmerzt es, wenn sie gehen. In der Einsamkeit schmerzt das zusätzliche Alleinsein nunmal. Aber die Logik und die Akzeptanz sind stärker als der Schmerz, denn es ist logisch und abzusehen, dass sie gehen, sobald sie verstanden haben, dass sie mir nichts bedeuten. Ich hasse sie also nicht dafür, dass sie gehen, ich hasse sie, weil sie mir nichts bedeuten und nie etwas bedeutet haben, ich mache also niemanden dafür verantwortlich, weder sie, noch mich, ich bin vielmehr meist erstaunt, wie lange sie es ausgehalten haben mit mir, und wie lang ihnen die mühevoll vorgetäuschte Liebe (die Bedeutsamkeit) ausgereicht hat.
Dennoch macht es mich traurig, weil es natürlich auch angenehm ist, sie um mich herum zu haben, und es gut tut, zu wissen, dass sie gern um mich herum sind, auch wenn das anstrengend ist und unnütz und die Endlichkeit von vorneherein absehbar.

Fakt ist, alles ist gut und sinnvoll so, wie es ist, und es schmerzt nicht mehr oder weniger, wenn es sich verändert, der Schmerz wird lediglich akut anstatt unterschwellig.

T. hasse ich tatsächlich, aber nicht dafür, dass er gegangen ist, sondern lediglich dafür, dass er versprochen hatte, nicht zu gehen. Ich hasse ihn für seine leichtsinnige Aussage, für diese Unbedachtheit, und ich hasse mich dafür, ihm geglaubt zu haben. Und ein bisschen hasse ich ihn dafür (oder mich), dass ich nicht fähig bin Worte zu finden, die genau das ausdrücken, so dass er es versteht. Es war abzusehen, dass "wir" irgendwann nicht mehr existieren würden, und seine Zuversicht ins Gegenteil hat mich von meinem Pfad der logischen Betrachtung der Dinge abgebracht und mir Hoffnung geschenkt, wo keine hätte sein sollen, und nur deshalb war der Schmerz so absurd größer als bei jeder anderen Trennung. Einzig und allein für das gebrochene Versprechen hasse ich ihn.

Die Menschen bedeuten mir nichts und auch sonst nichts bedeutet mir etwas, und ich lebe nur noch, weil ich der festen Überzeugung bin, es gäbe irgendwann in meinem Leben etwas, das mir tatsächlich etwas bedeuten wird. Zuversicht macht stark. Stärke macht zuversichtlich. Ich glaube, ich bin wahnsinnig stark. Ich glaube, die meisten Menschen begreifen gar nicht, wie absurd stark ich geworden bin.

Ich glaube auch, dass meine Angewohnheit, nichts als wertvoll zu erachten (als wert geliebt zu werden) in meinem Herzen die ganze Liebe behält, und während der anstrengenden Abgabe von Höflichkeitsliebe an all die Menschen, die mir nichts bedeuten, sammelt sich immer mehr Liebe in meinem Herzen, und irgendwann - ich weiß das, und derjenige kann sich verdammt glücklich schätzen (auch wenn ich nicht weiß, ob das dann begreifbar ist, aber ich glaube, wenn ich wirklich liebe, ist mir egal, ob das vollends begriffen wird, solang das Begreifen für genug Liebe mir gegenüber ausreicht) - irgendwann ist irgendjemand oder irgendetwas all diese Liebe wert, und dann. Dann. Dann werd ich glücklich sein.

Ich bin zuversichtlich. Ich bin stark. Gute Nacht.
13.4.12 00:16
 


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